Korrupt                      Spätherbst 2019



Zahlen und Fakten

 

Wie häufig gehen Männer und Frauen fremd?

Nur die Hälfte der Frauen und Männer nehmen es mit der Treue in ihrer Partnerschaft ernst, wie eine 2008 veröffentlichte Studie der Göttinger Georg-August-Universität belegt. 55 Prozent der befragten Frauen und 49 Prozent der Männer gaben an, bereits einmal untreu gewesen zu sein. Daraus gelernt haben nur wenige, es gilt eher die alte Regel„einmal Fremdgänger, immer Fremdgänger“, denn 20 Prozent der Frauen und 17 der Männer gestanden, ihre Partner zum Zeitpunkt der Befragung bereits zweimal betrogen zu haben. 15 Prozent der weiblichen und 22 Prozent der männlichen Befragten haben sich sogar mehr als dreimal auf ein sexuelles Abenteuer mit einer fremden Person eingelassen.

 

Korruption

Der neuste Bericht von Transparency International über Korruption im öffentlichen Sektor stellt der Schweiz erneut ein gutes Zeugnis aus. Das bedeutet aber nicht, dass die Schweiz sich zurücklehnen kann.

Dies deshalb nicht, weil der Korruptionsindex nicht alles umfasst. So ist der Aspekt Geldwäscherei nicht enthalten, und auch die Privatwirtschaft wird bei diesem Index ausgeklammert.

98 % aller Korruptionsfälle kommen nicht ans Licht.

Bei uns doch nicht! Zieht man offizielle Zahlen bei, dann ist in der Schweiz fast alles im Reinen. Gemäss Kriminalitätsstatistik gibt es hierzulande in einem durchschnittlichen Jahr kaum mehr als 30 Verfahren wegen Korruptionsdelikten. Allerdings: Die Dunkelziffer dürfte gross sein; sehr gross sogar. 98 Prozent der Fälle kämen erst gar nicht ans Licht, lautet die jüngste Schätzung des Schweizer Ablegers von Transparency International. Korruption sei sehr schwierig aufzudecken, weil eben alle Beteiligten davon profitierten.

Oft beginnt es vermeintlich harmlos. Dass der Chefbeamte eines Bundesamts nicht mehr haltbar ist, wenn er sich mit verdeckten Provisionen schmieren lässt, dürfte unbestritten sein. Aber ist es bereits Korruption, wenn Politiker die Einladung zu einem «Informationsreisli» annehmen? Und wer prüft, unter welchen Umständen hiesige Firmen im Ausland zu Aufträgen kommen?

DAS BETRÜGENDE

Nach wahren Gegebenheiten!

In einer Schweizer Gemeinde werden Aufträge in Millionenhöhe einander zugeschanzt, ohne dass dies nach außen dringt. Warum sollte es auch, man profitiert und schützt sich gegenseitig.

Ursprünglich war es nur ein Überwachungsauftrag für eine betrogene Ehefrau. Ein Alltagsjob für Jorge, einen Angestellten der Detektei von John Etter. Einen Tag nach der Überwachung des Paars spitzt sich die Lage in Zimmer 325 zu. Zufällig wird in Zimmer 325 mehrfach betrogen und John Etter nimmt die Spur auf. Die Zeit drängt plötzlich. Das Ableben eines Verräters dieser "ehrenwerten Bruderschaft" wird vorbereitet.

Korruption und Erpressung von Behördenmitgliedern fordern die John Etter, da nie sicher ist, inwieweit auch zuständigen Behörden in diesen Sumpf involviert sind.

In der Schweiz läuft vieles wie geschmiert.





Einige Beispiele der Korruption aus dem wahren Leben: Am Anfang war ein kleiner Gefallen und für den gab es eine Gegenleistung. Am Schluss, einige Jahre später, war es der "Abfallmänner-Fall". Zwei Angestellte der städtischen Kehrichtabfuhr hatten sich mit dem Besitzer eines Blumenladens darauf verständigt, die Abfallcontainer zu leeren, auch wenn keine Vignetten an den Säcken klebten. Dafür bekamen sie jedes Mal ein paar Franken – und Appetit auf mehr. Nach der ersten Gratisentsorgung verstrich fast ein Jahrzehnt, bis die Abfallentsorger vor dem Kreisgericht standen. «Wir haben Mist gebaut», gestand einer der beiden und «Die Ausnahme wurde irgendwann zur Regel.»

Immer wieder hatten sich der Chauffeur und sein Beifahrer zum Kaffee samt währschaftem "Znüni" einladen lassen. Auch der Abfall des spendablen Cafés landete jeweils ohne Marken in ihrem Lastwagen. Vom Fussballclub gab es zwei Saisonabonnements. Dafür drückten die Männer jeweils ein Auge zu, wenn sie die Hinterlassenschaft anderer Matchbesucher ohne Kostenfolge entsorgten.

Sie würden es vielleicht heute noch tun, wenn nicht plötzlich die Stadt die Touren ihrer Kehrichtequipen anders verteiltet hätte. Sofort fiel den Kollegen auf, dass beim Abfall des Floristen, des Cafés, beim Fussballstadion und an vielen anderen Orten Vignetten fehlten. Der Vorgesetzte wurde eingeschaltet, und die Polizei; das Duo wurde verhaftet, entlassen und vor Gericht gestellt.

Ein vergleichsweise harmloses Beispiel – und gerade deswegen ein typisches.

Schmiergeld fliesst. Auch in der Schweiz. Doch die wenigsten Fälle erregen über die Gemeinde- oder Kantonsgrenzen hinaus Aufsehen. Nur selten fördern Ermittlungen Spektakuläres zutage. 

Der Normalfall der Korruption made in Switzerland sieht häufig so aus: Oft sind die Bestochenen einfache Angestellte auf unteren Hierarchiestufen. Häufig bleibt die Deliktsumme vierstellig, selten überschreitet sie 25'000 Franken. Die Abfallmänner waren mit ihrem illegalen Nebenerwerb fast schon Grossverdiener. Sie kassierten gemeinsam mehr als 100'000 Franken.

Ohne die kleinen Fälle gibt es laut Experten auch weniger grosse. Ohne grosse weniger kleine. Vieles ist eine Frage der Atmosphäre am Arbeitsplatz. Die Basis in einem Amt oder einer Firma ist eher bereit, Schmiergeld anzunehmen, wenn sie das Gefühl hat, dass die Spitze sich auch bedient. «Wenn ein so hoher Beamter des Bundes sich die Freiheit nimmt, das Gesetz über das Beschaffungswesen zu ignorieren, kann man daraus schliessen, dass es einer gewissen Kultur entspricht. Jedenfalls muss man das untersuchen.»

«Geschädigt werden normalerweise die Steuerzahler»

Doch keines der vielen Opfer ahnt, dass es Opfer geworden ist. «Anders als bei einem Handtaschenraub wird keine Anzeige erstattet», entsprechend hoch ist die Dunkelziffer – in der Verwaltung und noch mehr in der Privatwirtschaft, wo nur wenige Fälle auffliegen. Geschieht dies, ist oft die Beweisführung schwierig. Bestechende und Bestochene hinterlassen meist wenig Spuren. Nur dumme Korrupte verbuchen Schwarzgeldflüsse und stellen Quittungen aus.

Kickbacks sind der Klassiker der Korruption

In drei Bereichen ist die Verwaltung laut einer Lageanalyse des Fedpol besonders anfällig für Korruption: wo sie Aufträge vergibt. Wo sie bewilligt. Wo sie büsst und straft.

Schweizer Korruptionsskandale der jüngeren Zeit betreffen oft den Bereich, dessen Name nach massenhaft Bürokratie klingt: das Beschaffungswesen. Insieme ist nur ein Beispiel. Ein anderes ist das Netzwerk, das sich der frühere Chef der Haustechnik der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) aufgebaut hatte. Er bevorzugte rund ein Dutzend Handwerker, die ihm jeweils zehn Prozent der Auftragssumme persönlich zukommen liessen. Insgesamt waren es gegen 300'000 Franken. Solche Kickbacks sind ein Klassiker der Korruption. Von 1982 bis 2003 funktionierte das System des EPFL-Haustechnikers. Bis die Ehefrau eines involvierten Handwerkers Anzeige erstattete.

Partnerschaften und Eifersucht sind gefährlich: Ein Angestellter eines Hochbauamts in einer Kleinstadt bekam von einem Bauunternehmer eine Wohnung für Seitensprünge zu Verfügung gestellt. Als er seiner Stundenliebe den Laufpass gegeben hatte, rächte sich die Verlassene, indem sie ihn verpetzte.

Bei den Bewilligungen und Bescheinigungen, dem zweiten korruptionsanfälligen Bereich, geht es oft um den Kauf von Aufenthalts- und Einreisebewilligungen. Visa in Schweizer Botschaften auf mehreren Kontinenten wurden in den letzten Jahren gegen Schmiergeld vergeben. Korruptionsgefahr in Verzug ist auch, wenn Staatsangestellte in jenem Bereich verkehren, für das sie beruflich zuständig sind. Zahlreich sind die Beispiele aus dem Rotlichtmilieu. Eine gewisse Dreistigkeit an den Tag legte im Jahr 2000 jener Zürcher Beamte, der die Red-Lips-Affäre auslöste. Der Angestellte des städtischen Arbeitsamtes, zuständig für Bewilligungen, kündigte, um bei einem Cabaret als stellvertretender Clubmanager einzusteigen. Er heiratete eine Stripperin aus Rumänien, die in einem der Lokale seines künftigen Chefs tätig war. Zu seinen letzten Amtshandlungen gehörte es, für seinen künftigen Arbeitgeber einen Antrag auszuarbeiten, um das Tänzerinnenkontingent zu erhöhen. Verurteilt wurde er schliesslich, weil ihm in den Nachtclubs in grossem Stil Alkoholika spendiert wurden. Die Verteidigung machte ohne Erfolg geltend, dies sei branchenübliche «Klimapflege».

Gefängniswärter übersehen dank Bezahlung Schmuggellieferungen

Der dritte korruptionsanfällige Bereich einer Verwaltung, sind Bussen und Strafen. Gut zu klappen scheint es in den Gefängnissen: Insassen berichten immer wieder, dort sei alles, was untersagt und verboten ist, zu erstehen: Handys, Drogen, Alkohol, Anabolika. Wärter und andere Angestellte übersehen gegen Bezahlung solche Lieferungen oder schmuggeln selber.

«Vetterliwirtschaft» ist das brisante Thema im Buch "Zimmer 325"

«Vetterliwirtschaft» im Wortsinn, innerhalb der Familie, bildet die Ausnahme: Werden Verwandte bevorzugt, fällt das auf – und erweckt Neid. Enthüllungen zu Insieme zeigen, wie leicht es sich skandalisieren lässt, wenn ein Staatsangestellter mit Angehörigen geschäftet. «Früher war es fast undenkbar, dass bei einem Kantonsauftrag ein ausserkantonaler Anbieter den Zuschlag erhielt. Heute ist es gang und gäbe.»

Dennoch ist die Schweiz kleinräumig geblieben. Oft werden aus Bekanntschaften Geschäftsbeziehungen oder umgekehrt. Es entstehen Freundschaften, Seilschaften, Abhängigkeiten, Filz, Komplizen. Harmlos fängt es an. Der Unternehmer überlässt dem Verwaltungsangestellten sein Feriendomizil, lädt ihn zum Essen ein, schickt eine Kiste Wein zu Weihnachten. So wird die Bereitschaft zu mehr ausgetestet.